"Angst, Bequemlichkeit und Sicherheits-bedenken sind Hinderungsgründe für Erfolg", meinte Hubert Straub, Vorsitzender des Vereins Pro Vogelsberg, und bewies erneut mit seiner Qualifizierungsoffensive für den regionalen Tourismus das Gegenteil. In diesem Jahr waren es knapp 50 Interessierte, die am 26. September 2007 seiner Einladung zu einer 12-stündigen Exkursion gefolgt waren.
Vom Herbsteiner Kolping-Feriendorf startete man zuerst Richtung Büdingen. Unterwegs, im gecharterten Reisebus, hielt Eyke Michael vom Vulkanpark Osteifel einen Vortrag zum Tagesthema "Vulkanismus" und erklärte anschaulich die Entstehung des Vogelsberger Vulkangebietes.
"Das Wissen um Hintergründe ist wichtig für den Tourismus", so Hubert Straub. "Man hat ein besseres Gewissen, wenn man weiß, wo man Urlaub macht."
Anschließend kam Gerold Beckmann, Sparkassendirektor im Ruhestand, zu Wort. Als Leiter der neuen DVG-Fachsektion Vulkan Vogelsberg und Naturparkführer hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die bislang verborgenen Schönheiten unseres Vulkans in die Öffentlichkeit zu rücken. So soll z. B. im folgenden Frühjahr die Ausbildung zum Vulkanparkführer im Vogelsberg beginnen. Moderierte wie auch geführte Reiseangebote sind im Trend.

Um eine Region touristisch zu entwickeln und interessante Angebote zu kreieren, sind Persönlichkeiten entscheidend, die mitmachen. Bürgermeister Erich Spamer und Lothar Keil, Bildhauer aus Büdingen, empfingen die Gäste der Bustour an einer "Erdgeschichtlichen Skulpturengalerie" auf dem Altstadt-Parkplatz nahe des Sandrosen-Museums in Büdingen. Lothar Keil ließ dort in Eigeninitiative verschiedene steinerne Findlinge als "Museale Außengestaltung" aufstellen. Jeder Stein hat eine eigene Geschichte. "Bezahlt wurden sie mit Spenden und aus den Einnahmen meines Museums im Jerusalemer Tor", antwortete der Bildhauer auf Fragen nach der Finanzierung der neuen städtischen Attraktion.

Im Anschluss besichtigte man das Sandrosen-Museum des Künstlers in den alten Festungstürmen. Dort sind Sandrosen aus der Wetterau, Kieselholz, Kristalle und andere geologische Kostbarkeiten, ausgestellt. Walter Gasche, Freund und Kollege, unterstützte Lothar Keil dabei: "Mir wurde das Interesse für die Geologie schon in die Wiege gelegt."

Nach dem Genuss von frischem Apfelmost und Brezeln am Stand des Obst- und Gartenbauvereins ging die Tagesreise weiter nach Ortenberg. Im so genannten "Bordstudio" lud diesmal Christina Marx, Regionalmanagerin, ein, im nächsten Jahr die neue Sternwarte in Feldatal in das touristische Programm mit aufzunehmen: "Dark Sky und Naturerlebnis - ursprünglich und unentdeckt: Mit seiner extrem klaren und wenig verschmutzten Luft gehört unser Mittelgebirge zu den lichtärmsten Regionen Deutschlands. Besuchen Sie die Sternenwelt Vogelsberg und lassen Sie sich vom Universum faszinieren." Nicht nur für Schulklassen und Seniorengruppen sind solche Angebote interessant. Auch zu Studienreisen könnte man solche Aktionen bündeln.

Im Ortenberger Steinbruch am Gaulskopf, in dem noch für den Straßenbau zur Herstellung von Schotter und Teer abgebaut wird, zeigte Eyke Michael den Mitreisenden Basalt aus der Erdgeschichte von vor 16 bis 17 Millionen Jahren. Sechs Sohlen übereinander türmen sich, für Geologen höchst interessante, Steinformationen.

Der nächste Steinbruch, den die Gruppe aufsuchte, ist seit Mitte der 90er Jahre stillgelegt. Dort findet man seltenen, porösen Tuff-Stein, der in Michelnau ab dem 19. Jahrhundert in Blockform unter schwerem körperlichem Einsatz mit Äxten und Sägen für die Herstellung von Backofensteinen abgebaut wurde. Die Touristiker erwartete eine beeindruckende Dudelsack-Inszenierung, aus der Tiefe herauf gespielt - sowie ein stärkender Mittagsimbiss, der von den Mitarbeitern des Naturparks Hoher Vogelsberg appetitlich angerichtet worden war.

Dass Tourismus ein Wirtschaftsfaktor ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Auf der Weiterfahrt im Bus berichtete Martina Bock vom Informationszentrum auf dem Hoherodskopf, dass die neuen Angebote für GeoCaching, einer modernen "Schnitzeljagd" mit GPS-Geräten im Oberwald inzwischen gerne angenommen würden. Auch Jürgen Carnier vom Restaurant Taufsteinhütte meinte, dass er sich bereits auf den Aktiv-Trend eingestellt habe. Er verleihe tageweise Mountainbikes zum Preis von acht Euro. "Und im kommenden Jahr werden wir zusätzlich ein Matratzenlager sowie einen Partyraum für durchreisende Sportler anbieten", setzte er hinzu.

Die Mountainbikes standen an der nächsten Station, dem Bilstein, gleich zum Ausprobieren bereit - genauso wie die Vulkan-Velos des Naturparks, auf denen sieben Personen im Rund gleichzeitig in die Pedale treten können.

Wer es bequemer wünschte, wurde im Planwagen vom Parkplatz zwischen Breungeshain und Sichenhausen bis zum Fuß des 666 Meter hohen Bilsteins gefahren.

Am Felshang des Busenborner "Hausberges", den ein hoch aufragender Maibaum schmückte, erwartete die Naturparkführerin Doris Ritz als Sagengestalt "Else" die Besucher auf dem Felsgestein: "Die Else ist eine gruselige Frau und wandelt ruhelos umher, wenn sie geweckt wird. An einsamen Orten soll die Else schon früher gekommen sein und Menschen mit sich in ihre Höhle im Berg mitgenommen haben, die sind nie wieder zurückgekehrt."

Nach dem "Szenischem Spiel mit Kaffee und Kuchen" des Zuckerbäckers Haas bildete den Abschluss der Bustour ein Besuch in der Vulkantherme. Das Herbsteiner Thermalbad bezieht sein 33 Grad warmes Wasser seit 26 Jahren aus 1.000 Metern und 5 Zentimetern, wie der 1. Stadtrat, Werner Eckerscham, den Besuchern gegenüber erwähnte. "Wir haben sogar Gäste, die aus Schotten herüberkommen - auch wegen der neuen Sauna."

Der Abend klang in Herbstein unter der Stadt im Gewölbekeller ab 18 Uhr aus. Das Motto war hierbei: "Vulkan, ich hab dich zum Fressen gern!" Beim unterhaltsamen Programm unter der Erde, zwischen Basalt und anderem Urgestein, wurden Genuss, Wissen und Information noch einmal in Szene gesetzt. Ein besonderer Dank ging an Hubert Straub, dessen Vision für einen "Erlebnispark Vogelsberg" für diesen Tag auf informative und amüsante Weise erfolgreich umgesetzt wurde.