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Gerade passend zum Anfang der diesjährigen Herbstferien habe ich mich nach vielen Jahren wieder einmal auf ein Pferd gesetzt. Zufall oder Absicht - es war ein echtes Erlebnis, und das Wetter spielte phantastisch mit. Mein Pferd für diesen Tag, Erik, war gnädig, so wie Achim und Anna, meine Pferdegastgeber, geduldig mit mir waren. Und allen Unkenrufen meiner Freunde zum Trotz (Komm ja heil wieder!) hatte ich gar keinen Zweifel daran.
Morgens gegen 10 Uhr traf ich im Fuchsbau Rodinger im nördlichen Vogelsberg, kurz hinter Ulrichstein, ein. Wir holten nach einem Schluck Kaffee die Pferde von der Koppel, um sie auf dem Hof zu satteln. Friedlich und ruhig ging es dabei zu. Vor dem Aufsteigen (welches Bein zuerst?) bekam ich zur Sicherheit einen "Hut" (U must survive) verpasst. Er stand mir gar nicht schlecht, ich sah damit schon fast aus wie eine echte Reiterin. Da ich bereits einmal bei Achim Rodinger zu Gast gewesen war bei seinem "Kohlritt" <- Lies mal KLICK, damals allerdings noch in Lardenbach, wusste ich, dass bei seinen Wanderritten im Vogelsberg niemals Hektik ausbricht. Die Gäste werden sehr umsichtig geführt, so dass sie auch die Landschaft genießen können und immer gerne wieder kommen.

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auf meinem gemächlich schaukendelnden Erik (so hoch ist es gar nicht, ausserdem besitzt er vier Beine für den sicheren Geländegang), liessen wir "auf stillen Pfaden den Alltag hinter uns", wie Achim es auf seiner Internetseite ausdrückt.
Mit Sicht auf einen Kirchturm im nächsten Dorf ging es an Streuobstwiesen und kleinen Teichen vorbei, durch den sonnigen Wald, wo uns ein riesiger, liegender Stein am Wegesrand Rätsel aufgab. Anna stieg ab, schaute darunter und darauf, doch er gab sein Geheimnis nicht preis.

Um die späte Mittagszeit kehrten wir in Romrod, neben dem Schloss, in einem durchgehend geöffneten Gasthaus zum gemütlichen Essen ein. Man sieht sich öfter, Anna war gerade am Tag zuvor mit einer Freundin dort gewesen. Von Kestrich herüber ist es nicht weit.
Die Pferde warteten derweil geduldig, angebunden unter ein paar Bäumen. "Sie kennen das", erklärten mir meine Wanderreitführer, "sie sind geschult." Ich allerdings erntete ein freundschaftliches Lächeln für meinen "John Wayne"-Gang. Mein Allerwertester kannte das Sitzen im Sattel noch nicht ;-).

Wir plauderten nach unserer Pause noch einen Kaffee lang, bis es Zeit wurde zur Heimkehr. Bei einem Blick auf die Karte (meine Brille lag im Auto - zum Reiten nimmt man nur mit, was ist die Jackentaschen passt!) ahnte ich, dass es wirklich schöner Weg durch die Abensonne werden könnte.
Wurde es aber nicht. Ich will ja nicht behaupten, dass ich es absichtlich tat, weil Erik unterwegs ein Hufeisen verloren hatte. Nein, es waren meine ungeübten Beine und wahrscheinlich mein nicht ganz entspannter Anfängersitz, der mir verriet, dass ich den Rückweg von 12 Kilometern nicht genüsslich durchhalten würde.
Achim und Anna waren höchst verständnisvoll und fanden eine elegante Lösung. Der weisse Max durfte mit Achim im Galopp nach Kestrich flitzen, wo der Hänger stand, mit dem Anna und ich plus unsere Pferde abgeholt werden sollten. Wir warteten in Zwischenzeit an einer malerischen alten Scheune. Und während die Vierbeiner eine Grasböschung abknabberten, lernte ich eine ganze Menge darüber, wie man sich im Vogelsberger Outback zu helfen weiss. Ich kam mir nicht einem Moment lang verloren vor.
Wenn Sie auch einmal probieren wollen, mit Anna und Achim Rodinger durch den Vogelsberg zu reiten, können Sie sich diese Emfehlung durchlesen: "Perspektiven entdecken auf dem Rücken der Pferde" <- KLICK. Es ist wirklich so, wie es da beschrieben ist!
Mich werden Sie sicher auch einmal wieder gut behütet - mit Reiterkappe und in Begleitung der beiden - antreffen. Wenn der Muskelkater vergangen ist, der einen bei jeder Sportart zu Anfang etwas plagt, ist ein Wanderritt im Vogelsberg eine beeindruckende Begegnung mit einer friedlichen Landschaft, netten Menschen und geduldigen Islandpferden: eine Auszeit, die einen den Alltag vergessen lässt. YEP! |