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Der letzte Ausläufer des Vogelsberges vor dem Lahntal, auch Gießener Landrücken genannt, ist der Schiffenberg. Es ist der Hausberg der Gießener, 281 Meter über dem Meeresspiegel, der von einer alten Klosteranlage romanischen Ursprungs, ähnlich dem Kloster Konradsdorf bei Selters, gekrönt wird. Sie stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 12. Jahrhundert und wurde ursprünglich vom Augustinerorden genutzt. Später wurde sie vom Deutschen Orden verwaltet und durch weitere Bauten ergänzt, deren jüngster um 1700 entstand. In Scharen pilgern die Gießener am Wochenende zu Fuß, in Lauftreff- und Mountainbike-Kolonnen, mit der Stadtbuslinie oder auch ganz bequem mit dem Auto dort hinauf. Wochentags hat man dort seine Ruhe, was auch ganz angenehm ist. Die Gastronomie ist trotzdem geöffnet. Es gibt ein Restaurant, ebenso einen Biergarten, in dem man sich mit hessischen Spezialitäten stärken kann.

Beim "Musikalischen Sommer" werden auf dem Schiffenberg nachts große Konzerte von Rock bis Klassik geboten. Selbst Deep Purple ließ es hier schon mal krachen. Die von dicken Mauern umgebene und mit alten Bäumen bestandene Klosteranlage bietet Platz für tausende von Besuchern, wenn die Tische und Bänke weggeräumt sind.
Wie sehr die Gießener ihren Vogelsberger Hausberg lieben, zeigte sich nach dem Orkan Kyrill, der auch hier unzählige Fichten fällte: Hunderte Menschen waren an einem Wochenende kurze Zeit später auf ihrem Hausberg, um in einer vom Forstamt koordinierten Aktion auf den geräumten Windwurfflächen junge Buchen zu pflanzen, freiwillig und ohne Bezahlung.
Die Heimatvereinigung Schiffenberg hat am Rande des Klosters einen Aussichtspunkt eingerichtet. Der Blick über Lich hinweg auf den Hohen Vogelsberg ist wegen der umliegenden Wälder versperrt, dafür öffnet sich, falls die Fernsicht gut ist, von hier ein weiter Blick über die Wetterau bis zum Großen Feldberg im Taunus.
Um auf den Schiffenberg zu gelangen, kann man sein Auto auf einem Universitäts-Parkplatz (Philosophikum II) am Fuße des Berges abstellen und spaziert auf einem der zahlreichen Wege, die durch Buchenmischwald und Fichtenbestände führen, hinauf. Jede Jahreszeit hat dabei ihren Reiz. Im Mai duftet der Wald intensiv nach Knoblauch, was an den riesigen Bärlauchfeldern liegt, die hier offenbar optimale Lebensbedingungen haben. Im Herbst leuchtet er in allen Farben.
Unterwegs im Wald sind einige Attraktionen verborgen, die nur der Eingeweihte kennt, da nur alte, halb vermoderte Wegweiser existieren. Eine davon ist der Hirtenbrunnen, eine gefasste Quelle unterhalb des Klosters, an der die Ziegenhirten der Vorzeit ihr Vieh trinken ließen, eine andere der hölzerne Georgstempel auf einer bizarren Basalt-Formation, an dessen Fuße so etwas wie ein alter Tinghplatz liegt. Jedenfalls lassen es die von menschlicher Hand angeordneten, dick bemoosten und verwitterten Steine das vermuten.
Vieles ist noch unerforscht auf dem Schiffenberg, doch erste Ausgrabungen brachten bereits Spuren einer spätbronzezeitlichen Besiedlung rund 1.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zutage. Die kann man auf der Nordseite der Klosteranlage besichtigen.
Fotos + Text: Frank Schäfer |