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2008: Vor zehn Millionen ging es heiß her in Ober-Widdersheim (fs)
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„Das Betreten des Steinbruchs und des Betriebsgeländes ist verboten", steht auf einem kaum noch lesbaren Schild. Darunter hängt noch ein neues, das der Sinnerschließung dienlich ist: „Gilt auch für Mineralsucher." Die große Besuchergruppe durfte dennoch in den Ober-Widdersheimer Steinbruch hinein und in das Innere eines alten Vulkans blicken. Die Sektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG) hatte sich am Samstag, den 17. Mai 2008, zu einer Exkursion angemeldet und wurde durch die Inhaber Emmi und Johannes Nickel und den dort beschäftigten Bergbauingenieur Uwe Hank durchs Gelände geführt. Kerstin Bär aus Nidda leitete den Ausflug in das Innere erloschener Lavaströme, die in solchen „Geotopen" sichtbar werden. 
Mehr als 40 Teilnehmer
waren neugierig auf diesen Steinbruch, der am Rand der Wetterau liegt. Am
weitesten angereist war ein inzwischen pensionierter Diplom-Geologe aus Springe
bei Hannover, der zufällig von der Exkursion erfahren hatte. Er trug an diesem
Tag so manches Fachwissen bei. Eine hundert Meter hohe Wand, die einen
Querschnitt durch mehrere vulkanische Aktivitäten zeigte, imponierte ihm sehr,
und er fragte laut: „Warum haben die Gießener Professoren uns Studenten dies
damals nicht auch einmal gezeigt?" Dabei liege Gießen doch am Rande des
Vogelsberges, und auch jenseits der Lahn gebe es noch Erhebungen, die man zu
diesem Vulkangebiet zählen müsse, wie etwa die Amöneburg. Der Dünsberg ist
jedoch nicht vulkanischen Ursprungs, obwohl seine Form es vermuten lässt,
sondern besteht aus Kieselschiefer. Der stellvertretende DVG-Sektionsleiter
Erhard Müth aus Gedern ließ zusätzlich verlauten, dass bei der Landesgartenschau
in Bad Bauheim auch ein Vogelsberger Vulkangarten zu sehen sein werde.

Lange verharrte die Gruppe
vor der hohen Wand und lauschte den Erklärungen Kerstin Bärs und Uwe Hanks. Man
erkannte mehrere Schichten: unten mächtige Basaltablagerungen, darauf eine dünne
Ablagerungsschicht eines früheren Sees, in der man auch Pflanzenfossilien
gefunden habe, darüber eine zehn Meter dicke Tuffschicht. „Das ist Trachyttuff",
so Kerstin Bär, "Ablagerungen, die als Ergebnis gewaltiger Explosionen
entstanden, bedeckt von einer dünnen Lavaschicht, die die Oberfläche sozusagen
toastete, wie es in der Fachsprache heißt." Vor zehn bis 15 Millionen Jahren
ging es also heiß her in Ober-Widdersheim. In diesem Steinbruch, in dem bereits
seit 108 Jahren Basalt abgebaut wird, fördert man das Gestein vorwiegend
für Schotter für den Gleis- und Straßenbau. Der Abbau erfolgt durch Bohren
und Sprengen. Tief haben sich die Arbeiter schon vorgearbeitet.

"Für den Steinbruchbetrieb
ist dieser Tuff nur Abraum", erklärte Uwe Hank, der technische Betriebsleiter.
Auch Ton gäbe es in diesem Steinbruch, er lässt sich an der hellen Färbung
erkennen. Für den Bergbauingenieur ist so etwas eine „Daughzone", mit der sich
nichts anfangen lässt. Zum Schluss führte er die Besucher an ein geradezu
idyllisches Plätzchen am tiefsten Grund, in der sich das Wasser sammelt. Ein
kleiner See hat sich dort gebildet, in den sich kleine Wasserfälle aus den
Klüften des Basalts ergießen. Die nächsten 50 bis 60 Jahre, schätzte Uwe Hank,
könne man hier noch Basalt abbauen, gegenwärtig laufe ein neues
Planfeststellungsverfahren.

Nach fast drei Stunden in
diesem Steinbruch ging es zur Mittagspause, in der Rotraud Morell aus Büdingen
mit dem Gedicht „Der Vogelsberger Edelstoa" unterhielt. Weitere Stationen am
Nachmittag waren der benachbarte Steinbruch in Unter-Widdersheim und der
stillgelegte Trachytsteinbruch im gleichen Ort, der nach den Worten Kerstin Bärs
das Ergebnis eines stecken gebliebenen Lavadoms sei. Wer wollte, konnte sich
anschließend noch den keltischen Menhir in Unter-Widdersheim betrachten und vom
Naturschutzgebiet "Burg" den Vogelreichtum in der Horloffaue bestaunen, unter
sich auch noch Vogelsbergbasalt befindet.
Text + Fotos: Frank Schäfer |
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