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Ein Fürst ohne Namen (fs)
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An so einem Tag mag der Keltenfürst vor 2.500 Jahren begraben worden sein. Es ist der 21. September 2008, ein Datum, das die Tag- und Nachtgleiche symbolisiert, den Übergang zur dunkleren Jahreszeit. Es ist bewölkt mit dunklen Regenwolken, sonst könnte man am keltischen Kalendarium auf dem Glauberg die Sonne an diesem Tag vielleicht genau über einem dieser dicken Holzpfähle in den Horizont versinken sehen. Es zeigt den Samhain, die Sommersonnenwende oder die große südliche Mondwende an. Letztere ist ein seltenes Ereignis. Auf den Grabhügel führt, genau aus Richtung der südlichen Mondwende, eine Prozessionsstraße zu, ein Beleg für die besondere religiöse Bedeutung der Stätte.
Das Kalendarium steht direkt vor einem künstlichen Hügel, dem Grab des Keltenfürsten vom Glauberg, von dem man nicht einmal den Namen kennt. Genau genommen handelt es sich um mehrere Gräber. Dieses herausragende Ensemble aus der Frühlatènezeit, rund 500 vor Christus, wurde ab 1994 am Glauberg ausgegraben. Neben drei Prunkbestattungen mit Goldbeigaben und mutmaßlichen Importen unter zwei Grabhügeln fanden sich vier lebensgroße Steinstelen, die wahrscheinlich zu einem heiligen Bezirk gehörten. Eine dieser Sandsteinstatuen ist fast vollständig erhalten. Sie zeigt den Keltenfürst vom Glauberg.

Die Kopie seiner Statue steht im Museum. Das Original wird, wie andere Funde aus dem Hügel, beim Landesamt für Denkmalspflege restauriert und soll später seinen Platz in einem neuen Museum finden. "Warum hat die Statue so große Ohren?" werden die Betreuer des Museums oft gefragt. Oskar Klöppel, der zweite Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, erklärt das so: Das seien keine Ohren, sondern stilisierte Mistelblätter. Das ist eine Pflanze, die bei den Kelten als magisch galt, besonders wenn sie auf Eichen wuchs.
Der seitliche Kopfschmuck deute darauf hin, dass der Keltenfürst nicht nur ein Stammesherrscher und Krieger, sondern auch ein Druide war. Oskar Klöppel zeigt auf den Brustpanzer, den der steinerne Fürst trägt: Der sei hellenistischen Ursprungs, stamme aus dem antiken Griechenland. Das Keltenvolk scheint vom Rande des Vogelsberges aus einen regen Fernhandel betrieben zu haben. Neben Importen aus dem Mittelmeerraum wurde auch Bernstein von der Ostsee gefunden, der in einer Werkstatt auf dem Glauberg zu Schmuck weiter verarbeitet wurde.

Fest steht für Archäologen, dass der Glauberg eine keltische Höhenfestung war. Sie war mit Ringwällen, bestehend aus Eichenstämmen und Basaltbrocken, gesichert, von der der Blick auch heute noch weit ins Land bis nach Büdingen, auf die Frankfurter Skyline und den Taunus fallen würde, wäre sie noch existent. Die damaligen Bewohner hatten eine Wasserzisterne erbaut, Vorratslager angelegt und das "Heiligtum" rund um den größeren der Grabhügel. Dort stand schon vor 2500 Jahren das inzwischen restaurierte Kalendarium, wie Reste von Holzpfosten belegen. Die keltische Siedlungsgeschichte am Glauberg endete, als die Römer über Rhein und Main in die Wetterau vordrangen und sie mit Limes und Kastellen vor den "Barbaren" sicherten. Es wird noch vieles zu enträtseln sein, hier am Glauberg. Auf das neue Keltenmuseum darf man schon jetzt gespannt sein.
Bei einem Besuch im Glauberg-Museum in der Alten Schule des Ortes und bei einer Führung durch den archäologischen Park, der derzeit noch ein Provisorium ist, erfährt man eine Menge über die Funde. Das neue, ein großes Keltenmuseum soll Anfang des Jahres 2010 fertiggestellt sein. Doch schon das, was jetzt bereits zu sehen ist, beeindruckt und lockt Besucher von nah und fern an. Am besten kommt man an einem Sonntag, dann ist von 14 bis 16 Uhr Museum geöffnet, das vom Heimat- und Geschichtsverein Glauburg betreut wird. Der Eintritt ist frei.
Die ausgestellten Stücke dokumentieren, dass der Glauberg, eine rund 280 Meter über NN hohe Basaltkuppe am Rande der östlichen Wetterau, schon vor tausenden von Jahren besiedelt war. Die frühesten Fundstücke stammen aus der Steinzeit, später lebten dort Kelten, danach kamen die Alemannen, die Franken und die Staufer.
Im Museum hängt eine große Karte, die die Ergebnisse von Untersuchungen mit Georadar zeigt. Rund um den Hügel sind noch unzählige Dinge im Erdreich verborgen, die man nie alle bergen kann. Doch das, was bis jetzt ausgegraben wurde, lässt bereits ein deutliches Bild des damaligen Volkes entstehen, obwohl die Kelten der Nachwelt nichts Schriftliches hinterliessen. Alle Aufzeichnungen stammen von Autoren aus dem antiken Griechenland oder Rom. Da jedoch die Römer in jener Zeit - 500 vor Christus - die Wetterau noch nicht besetzt hatten, ist der Name des Keltenfürsten nie notiert worden. So blieb er namenlos.
Text + Fotos: Frank Schäfer |
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