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Eißpin und das Krätzchen Echo begegneten mir zum ersten Mal auf dem Heimweg. Über die Lautsprecher meines Autos beschrieb die facettenreiche Stimme Andreas Fröhlichs auf höchst fantasievolle Weise überraschende Kuriositäten, die mich ausnahmslos zum Schmunzeln brachten. Total begeistert suchte ich nach dem "Verursacher" und fand heraus: Des Schrecksenmeisters schwarzhumorige Untaten schrieb Walter Moers (Das kleine Arschloch / Käpt'n Blaubär). Als ich "on air" davon hörte, war es eine Produktion von hr2 Kultur. Die faszinierende Geschichte wird mir nun, verteilt auf 12 HörbucHHamburg-CDs, in über 14 Stunden vorgetragen. Dass dazu Zeichnungen gehören, erfuhr ich erst später. 
Zwischendurch wird es beim Zuhören immer wieder kunstvoll grotesk und in aller Selbstverständlichkeit bizarr, dass man gerne gemeinsam mit dem K(r)ätzchen staunt, zweifelt und sich z. B. vor einem gekochten Gespenst gruselt. Man entwickelt, wie der kleine Echo auch, intensives Mitleid mit den schmerzgepeinigten Kerzen, die an ihrem eigenen Abbrennen leiden.

Nie wird die Geschichte derb oder nur komisch. Und obwohl Zamonien als das merkwürdigste Land mit besonders seltsamen Hässlichkeiten dargestellt wird, erscheint die Story irgendwie logisch - trotz ihrer Märchenhaftigkeit. Und doch ist sie eher gedacht für Erwachsene, denn so einem diktatorischen Eißpin mit absurden Ansichten und schaurigen Absichten, der nie um eine Antwort verlegen ist, ist man doch schon begegnet - oder?
Nicht ganz dem Fantasy-Genre zuzuordnen ist diese durchaus auch ironisch-witzige Story. Irgendwo zwischen Fabel und Novelle angesiedelt, dichtete Moers seinen dramatisch in alchemistische Kochkunst verwickelten Zamonien-Roman frei nach Gottfried Kellers "Spiegel, das Kätzchen" aus dem Jahr 1855. In der fiktiven Kleinstadt Seldwyla, jetzt Sledwaya, fahren sogar noch Kutschen umher. Düstere Aufzählungen beschreiben ein wenig zu detailgenau Stufen, Dächer und andere Szenen, die das sprechende K(r)ätzchen zu überleben hat. Weghören ist trotzdem nicht anzuraten, man könnte etwas von den ideenreichen Herrlichkeiten verpassen!
Inhalt: Echo, das hochbegabte Krätzchen, ist nach dem Tod seines Frauchens in allergrößte Schwierigkeiten geraten. Er ist gezwungen, mit dem Schrecksenmeister Succubius Eißpin einen verhängnisvollen Vertrag zu schließen. Dieser gibt Eißpin das Recht, das Krätzchen beim nächsten Vollmond zu töten und dessen Fett auszukochen. Als Gegenleistung muss Eißpin Echo bis dahin auf höchstem kulinarischem Niveau durchfüttern. Doch der Schrecksenmeister hat nicht mit dem Überlebenswillen und dem Erfindungsreichtum des Krätzchens gerechnet – vor allem nicht mit dessen neuen Freunden, den Grübelnden Eiern und dem Goldenen Eichhörnchen, Fjodor F. Fjodor, dem Einäugigen Schuhu und dem Gekochten Gespenst und vor allem Inazea Anazazi, der letzten Schreckse von Sledwaya.
Walter Moers hat mit der Stadt Sledwaya nach Buchhaim einen weiteren abenteuerlichen Schauplatz Zamoniens erdacht. 1957 in Mönchengladbach geboren, wurde er bekannt als Comiczeichner und Erfinder solch kruder Figuren wie dem kleinen Arschloch, Adolf oder Käpt’n Blaubär. 1999 erschien sein internationaler Bestseller "Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär". Die Fortsetzung dieses Romans, "Rumo & Die Wunder im Dunkeln", spielt wiederum auf dem phantastischen Kontinent Zamonien wie auch "Die Stadt der Träumenden Bücher", ausgezeichnet mit dem Phantastik-Preis 2005 der Stadt Wetzlar. Beide sind als Lesung von Dirk Bach bei HörbucHHamburg erschienen. Andreas Fröhlich, 1965 in Berlin geboren, wurde vor allem als Sprecher von Bob Andrews aus der legendären Hörspielreihe "Die drei ???" bekannt. Heute arbeitet er als Schauspieler und Synchronsprecher, so ist er beispielsweise die deutsche Stimme von Hollywoodgrößen wie Edward Norton, John Cusack und Ethan Hawke.

Andreas Fröhlich liest: Der Schrecksenmeister von Walter Moers
Ungekürzte Lesung 12 CD, Laufzeit ca. 882 Minuten ISBN 978-3-89903-407-3
www.hoerbuch-hamburg.de
Wenn Sie nicht nur wissen möchten, was Gruseltaxidermie (das kunstvolle Ausstopfen von furchteinflössenden Daseinsformen aller Art) ist, führen Sie sich die Hörprobe von der Verlagsseite zu Gemüte. Dort lernen Sie auch kurz die Ledermäuse kennen ;-). |