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„Auf der Wasserkuppe sind alle Parkplätze belegt" meldete der Verkehrsfunk schon mittags an diesem Dienstag, 6. Januar 2009. Es ist ein Werktag, aber immer noch sind in Hessen Schulferien, und da kommt es gerade recht, dass es in der Nacht auf den 5. Januar so heftig geschneit hatte. Aber man muss nicht auf Hessens höchsten Berg in die Rhön fahren, sein Wintervergnügen kann man auch im Vogelsberg genießen.

Meine kleine Tour führte an diesem Tag zuerst an die Niddatalsperre bei Schotten. Aber wo der See ist, lässt sich nur noch erahnen (Foto). Er ist zugefroren, seine Oberfläche ist mit rund 20 Zentimeter Neuschnee bedeckt. Schlittschuhlaufen scheint sich niemand darauf zu trauen, nasse Flecken im Schnee lassen vermuten, dass die Eisdecke auf dem See noch nicht dick genug ist. Schade eigentlich, dass wäre eine riesige Schlittschuhbahn, und die einzige offizielle Eisbahn des Vogelsberges, das Eisstadion in Lauterbach, ist ja vor kurzem erst geschlossen worden. Aber der Niddastausee lockt dennoch an diesem Wintertag Menschen an, Spaziergänger nämlich, die zu Fuß durch den Schnee um den See stapfen. Und es scheint ja auch herrlich die Sonne, die die bittere Kälte etwas erträglicher macht. 
Weiter geht die Fahrt durch Schotten Richtung Busenborn (Foto) bis nach Breungeshain. Je höher man kommt, desto höher liegt der Neuschnee, und ohne Winterreifen sollte man jetzt nicht versuchen, weiterzufahren, denn stellenweise ist die Straße mit Schnee bedeckt, besonders in offenen Lagen, wo der Wind den Pulverschnee wie eine Sanddüne über die Straße treibt. In Breungeshain zeigt der Blick zum Hoherodskopf, dass dort oben einiges los ist. Der Breungeshainer Hang wimmelt von Rodlern und Skifahrern, aber da machen wir heute mal einen Bogen drum herum, denn der Vogelsberg ist ja mehr als der Hoherodskopf.

Die Herchenhainer Höhe ist nicht weit, auch dort ist einiges los. Einen wunderbaren Anblick bietet der Wald, die Bäume sind mit Schneepuder überzogen, was vor dem strahlend blauen Himmel schon ein Postkartenmotiv ergibt (Foto). Oberhalb des Berggasthofs tummeln sich eher die Rodler, weiter hinter ist die Piste für die Ski-Abfahrtsläufer. Der Skilift (Foto unten) zieht sie durch den verschneiten Wald wieder nach oben. Bei dem Wetter, sagt der Betreiber des Skilifts, Dieter Luft aus Bermuthshain, ist der Lift auch werktags ab 11 Uhr in Betrieb, und er werde erst abgestellt, wenn keine Gäste mehr da sind. Unter denen seien auch viele aus dem Main-Kinzig-Kreis. Von Wächtersbach, Brachttal oder Birstein ist es ja auch nicht weit. Auf der Herchenhainer Höhe, obwohl auch die auf über 700 Meter über Meereshöhe liegt, scheint es an diesem Tag auch nicht so kalt zu sein. Das mag an dem dichten Wald dort oben liegen, der den eisigen Ostwind abhält.

„Ski und Rodel gut", heißt es also derzeit im Vogelsberg. Und was ist mit Schlittschuhlaufen? Ist der Wittgenborner Dorfweiher auf der Spielberger Platte wirklich der einzige schlittschuhtaugliche See. Gewiss nicht! Denn Seen und Teiche – was auch immer der Unterschied ist – gibt es ja genug in unserem Mittelgebirge. Unweit der Herchenhainer Höhe liegt zum Beispiel der Nieder-Mooser See, der bis in die Niederlande als Urlaubstipp bekannt ist. Dort waren tatsächlich eine Handvoll Schlittschuhläufer anzutreffen. Das Eis sei dick genug, versicherten sie, da knacke nichts mehr. Und trotz der Neuschneeschicht auf dem Eis kamen sie gut auf den Kufen voran (Foto unten), eine junge Eiskunstläuferin versuchte sogar, ein paar Pirouetten zu drehen.

Das Winterglück ist also perfekt im Vogelsberg, bis auf eine Ausnahme: Während der ganzen Tour wurde kein einziger Schneemann gesichtet, der klassische, aus drei Schneekugeln, mit Zylinder auf dem Kopf, einer Mohrrübennase, zwei Kohlenaugen und einem Schal um den Hals, damit er nicht friert. Schal und Mütze konnten übrigens an diesem Tag nicht nur Schneemänner gebrauchen...
Text + Fotos: Frank Schäfer |