|
1. Schindelmacher an der Kirche in Ruppertenrod

17. August 2009 - Bei meinem ersten Tag mit dem Filmteam vom Bilderbuch <-KLICK ("Keine Reportage") war Klettern angesagt. Für die Dachdecker, die gerade die Kirche verschindeln, ist es ein alltägliches Geschäft - für uns andere doch recht ungewöhnlich. So hoch oben auf dem Gerüst sind mutig auch Kamera- und Tonmann auf schmalen Bohlen im Einsatz. Auf dem Foto links sieht man sie rechts neben der Ampel ;-) 
Seit ungefähr einer Woche wurde die Kirche im Mücker Ortsteil Ruppertenrod mit Holzschindeln verkleidet. In der Bilderbuch-Filmdokumentation werden die letzten Handgriffe unter der Dachkante zu sehen sein.

Die beiden freundlichen Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Hansel aus Engelrod treffen wir an einem anderen Tag noch einmal an anderer Stelle.
2. Historisches an der Salz in Radmühl

Einen schönen Augustvormittag verbrachte das Aufnahmeteam um Lucie Herrmann (auf dem Foto links) am 18. August im "Blauen Eck", an der Salz und im "geteilten" preußisch-hessischen Radmühl.
 Besprechung in Radmühl mit Erwin Flach, Lucie Herrmann rechts im Bild
Erwin Flach, der mit mir bereits einen Ausflug in die Vergangenheit unternommen hatte <-KLICK, nahm sich die Zeit, uns etwas Historisches von den Mühlen entlang der Salz zu berichten und führte uns an zwei alte Gebäude.
 Das Aufnahmeteam an der Speckemühle, links im Bild der Enkel des "Rebellen von Salz"
An der Speckemühle der Familie Muth funktioniert das Mühlrad noch. Doch es treibt kein Mahlwerk mehr an, es produziert jetzt Strom für den Haushalt und die Landwirtschaft.

Hausherr Muth, der Sohn des "Rebellen von Salz", der der Tradition zufolge den Beruf des Müllers lernte, stellte für die Filmaufnahmen das Wasser der Salz auf "Kaskaden", "sprudelnd und laut" bzw. auf "leise plätschernd" (Foto). Einst hatte sein Vater mit seinem Widerstand dafür gesorgt, dass das Quellgebiet des Baches als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, damit das Wasser nicht an Frankfurt verkauft werden konnte.

Alte Wasser-getriebene Mühlen wie auch neue staksige Rotor-betriebene Riesenwindmühlen werden in der Vogelsbergdokumentation zu sehen sein - allerdings ohne parteiliche Für- und Wider-Abwägung, einfach nebeneinander wie im richtigen Leben.

Vom Murmeln des Baches bis hin zu einer luftigen Fahrt einer Kamera auf der Motorhaube meines Reporter-Clios wurden allerlei interessante Szenen auf den Film gebannt. Manch einer wunderte sich über unser Hin und Her in Feldwegen und am Straßenrand. Doch bis auf wenige Ausnahmen schauten alle obercool und gelassen über uns hinweg. - So sind sie halt, die Vogelsberger *schmunzel*.
3. Mystisches und Praktisches aus Busenborn
 Mit Ton und Kamera - Lucie Herrmann, fasziniert von der Stille am Bilstein (rechts)
An einem der nächsten Tage kamen die Bilderbuch-Macher in den Schottener Ortsteil Busenborn. Keine Frage, dass auch vom "Berg des Vogels" mit der Kamera ein Blick über das Land Richtung Frankfurt geworfen wurde.

Obwohl die beiden Frankfurter Gunder Stegner (Kamera) und Erik Tauber (Ton) aus dem flachen Rhein-Main-Gebiet kommen, waren sie schnell auf den zerklüfteten Felsen hinaufgestiegen. "Heidnische" Angst dort abzustürzen, schien sie nicht zu plagen ;-)

Im Dorf wurde gerade von den Familien Spruck und Gebhard Brot gebacken. Vom Rühren des Sauerteiges bis zum Backen war das Filmteam bei dieser Aktion dabei.

Der Backhaus-Ofen war auf mehr als 200 Grad mit Holz angeheizt worden. Eine Stunde blieb der aufgegangene Teig darin. Die Männer mussten mithelfen, damit der seit Jahren überlieferte Ablauf eingehalten werden konnte und die Laibe nicht zuletzt noch zerliefen.

Und dann gab es von Frau Spruck das "Urnahrungsmittel" der Menschheit noch heiß und ganz frisch auf die Hand. Für den Teig hatte sie nur Wasser, Salz und Mehl verarbeitet. So enthält ihr Bauernbrot keine weiteren Zusatzstoffe und ist natürlich wie früher richtig gesund.
 Unter dem hohen Vogelsberger Himmel - neben dem Beleuchter: Lucie Herrmann rechts im Bild
An diesem bislang wärmsten Tag des Sommers 2009 kam das Team noch auf der Höhe bei Michelbach bei einem frischen Lüftchen zusammen, um mich (bm) zu fragen, was mir am Vogelsberg so gut gefällt. "Lichtmacher" Jochen Kaus musste dabei nur wenig von der Sonne spiegeln, sie strahlte für den Film von ihrer besten Seite.
4. Vom virtuellen Vulkan bis zum Ortenberger Erdschaufenster
 Die Herren des Teams in unserer Büro-Küche
Ausgeschlafen tauchte das Drehteam, diesmal mitsamt Beleuchter aus Grebenhain (!), nach dem Wochenende in Gelnhausen in meinem Büro auf, um die Internetseite des Vogelsberges - aus meiner Sicht - aufzuzeichnen. Ein paar Takte von Vogelsberg-Netz werden im Bilderbuch anklingen, sie wurden echt + live beim Bearbeiten DIESES Berichtes gefilmt...

Mit den himmelblauen hr-Autos ging es danach (ohne mich) zu den Vogelsberger Seen und Teichen, um das herrliche Wetter für weitere Außenaufnahmen zu nutzen.
 Mit dem Kamerateam im Steinbruch, Lucie Herrmann links im Bild - Foto: Dr. Angela Metzner (DVG)
Abends war man mit den Arbeitsgruppenleiterinnen Kerstin Bär, Dr. Angela Metzner und etwa 18 begeisterten Hobby-Vulkanologen (viele aus der DVG / MEHR dazu HIER <-KLICK) in einem Steinbruch bei Ortenberg unterwegs. Dort fand die geologisch interessierte Gruppe nicht nur Basalt (der wird hier abgebaut), sondern auch Buntsandstein, Kaolin und Blasenbasalt mit vielen verschiedenen farbigen Mineralien in den Hohlräumen.
 Foto: Dr. Angela Metzner (DVG)
Das Tollste daran war, so schreibt Dr. Angela Metzner zu ihren Fotos: "Man entdeckt dort sogar versteinertes Holz (Foto). Das ist ungefähr 15 Mio. Jahre alt! Und an den Wänden sieht man sehr schön deutlich die Schichten verschiedener Lavaströme, dazu noch kleine und große Basaltsäulen, die aus den Wänden herausragen."
5. Altes Handwerk kommt wieder zu Ehren

Dass man mit den Fernsehleuten durchaus auch Spaß haben kann, zeigt mein Foto aus Frischborn, wo wir mit den Schindelmachern der Dachdeckerfirma Hansel noch einmal zusammentrafen: Hier "flogen die Späne" :-)

Zwei Mitarbeiter der Firma zeigten nicht nur für diesen Fernsehfilm die Herstellung von Holzschindeln mit historischen Gerätschaften. Bei verschiedenen Brauchtumsveranstaltungen sowie stehenden Festzügen wird das alte Handwerk immer noch gerne präsentiert. Als die Kamera aus war, erklärte Herr Hansel (Foto links) schmunzelnd den Unterschied zwischen einem Festzug und unserer Vogelsberger Besonderheit eines "stehenden" Zuges: Er zieht nicht durch den Ort, sondern steht - in kleinen Dörfern z. B. :-)

Auf der Weiterfahrt zum nächsten Drehort blieb auch unser "Treck" in Hopfmannsfeld stehen - allerdings nur, um noch einige Vogelsberg-Impressionen einzufangen.

Während ich (bm) mit meiner Kamera der Kunst im Ort "begegnete"...

... staunte das komplette Aufnahmeteam, dass in Vogelsberger Gärten auch Artischocken wachsen - nicht wissend, dass sie am Gartenzaun von Hubert Straubs altem Amtshaus standen, der als einer unserer selbst kochenden Gourmets gilt.
6. Dorferneuerung und Denkmalschutz auf dem Totenköppel

Auf dem Totenköppel (MEHR <-KLICKmal) bei Lautertal-Meiches kamen wir mit dem Architekten Josef Michael Ruhl (Foto) zusammen, der den Ort nicht nur beim Dorferneuerungsprogramm begleitet hat, sondern auch an der Freilegung der Wandmalerei in der Kirche mit beteiligt ist.

Im Bilderbuchfilm wird sicher vom Fund des "Schmerzensmannes", Jesus mit der Dornenkrone, zu sehen und hören sein. Helmut Volz (auf dem Foto ganz rechts) war extra auf den Totenköppel gekommen, um Josef Michael Ruhl und Lucie Herrmann von seinen Heimatforschungen zu berichten und uns neu überarbeitete Unterlagen auszuhändigen.

Vor der Pforte des Friedhofes steht eine Metalltafel (in "Kartoffelform" ;-), die die Sippengräber, die der Anordnung der Häuser im Dorf entsprechen, nachempfindet. Dort sagte ich (Foto rechts ;-) allen "Auf Wiedersehen"... bis zum nächsten Mal.
Natürlich ist im Bilderbuch vom Vogelsberg wesentlich mehr zu sehen, als ich hier dokumentiert habe - so zum Beispiel ein Tiefflug über die Landschaft (von einem Hubschrauber aus gefilmt) - Alsfeld, Lauterbach, Schotten und vieles andere mehr - doch ich war nicht überall dabei. Ganz sicher wird es sich lohnen, den Film anzusehen! Und auch wenn manch einer denkt: "Vogelsberg - kenne ich doch!" oder einer behauptet: "Hast nix versäumt, Gedern war nicht dabei." meinten sehr viele: "So schön hat man den alten Viulkan noch nie dargestellt!"
DANKE für die Blumen... Nach der Ausstrahlung <-KLICK :-) |