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Zwischen Florstadt und Assenheim liegt idyllisch an der Nidder das alte Hofgut Wickstadt aus dem Mittelalter. Es wird nur noch teilweise landwirtschaftlich genutzt, in den leeren Ställen haben sich Künstler mit ihren Werkstätten und Ateliers angesiedelt, die seit Jahren regen Kontakt untereinander pflegen. Bereits zum fünften Mal luden sie zu einem Kunstfest ein. Weit mehr als 600 Kunstfreunde fanden am 12. September 2009 den Weg zu ihrem Fest, das bei blauem Himmel und spätsommerlich mildem Lüftchen begann. „Besser hätten wir es nicht treffen können“, strahlte Jo Pollack von der
Wickstädter Werkstatt für Möbelkunst. "Wir waren uns schon bewusst, dass der
späte Termin für das diesjährige Kunstfest ein Wetterrisiko birgt. Aber es war
nicht einfach, alle Künstler, die wir gern dabei haben wollten, unter einen Hut
zu bringen.“ Jo Pollack hatte 2003 als Hauptinitiator den Event einst als
"Werbung" für seine Arbeiten - auch als Holzbildhauer - ins Leben gerufen.
Es findet im Wechsel mit „Kunst am Fluss“ alle zwei Jahre als wichtige
Niddataler Kulturveranstaltung statt.
 Auf dem Gut konnte man auf einem
Spaziergang durch die im Freien und in den Ateliers ausgestellten Kunstwerke
wandeln. Pollacks Hauptbeitrag in diesem Jahr war die Umsetzung eines
historischen Gruppenfotos von Wickstädter Landarbeitern in eine Holz-
Silhouette, eindrucksvoll in die weite Landschaft platziert. Das Originalbild
entdeckte der Betrachter beim näheren Hinsehen in einer nachgebauten alten
Kamera – aus Holz natürlich.

Auf der Wiese hatte Alf Seckel, das „Urgestein“ der Wetterauer Kunstszene,
sein Zelt aufgeschlagen und zeigte ein weites Spektrum an Arbeiten, von
konkret-abstrakten Acrylgemälden bis zu Lithographien. Am Kunst-Rundweg entlang
wehten bunte Fahnen aus dem „Atelier tierisch bunt“ der Schottener
Reha-Werkstätten, die Horst Sebulke mit einer Gruppe von Behinderten
anfertigte. Ulrike Degenhardt, die Büdinger Stadtbildhauerin des
Jahres 2008, setzte mit ihren massiven steinernen Skulpturen, überlebensgroßen
Wesen, Gewichtiges dagegen. Im reizvollen Kontrast dazu reckte sich die
Kirschenskulptur von Bruno Feger mit ihren grazilen Stängeln gen
Himmel. Der Blick streifte die Metallfiguren von Bashir Molly, das
leuchtend bunte Tipi von Horst Melchert, der zu einem Ausflug in den wilden
Westen der Wetterau einlud. Gleich darauf entdeckte man unter uralten
Walnussbäumen die unverkennbaren Objekte der Ortenberger Künstlerin Ulrike
Obenauer, die farbige Industriebleche zu immer neuen erstaunlichen Kunstwerken
zusammenschweißt. Auf der Nidda dümpelten Klangschiffe von Jo
Pollack. Am Ufer, begleitet von Installationen des Kunstkreises des Assenheimer
Vereins KUK, Treibholz, Stämme und Äste, Blätter und Zweige, wie Scheiterhaufen
aufgestellt und mit leuchtender Farbe zum Leben erweckt. Sie wurden vor allem in
der nächtlichen Illumination zur geheimnisvollen Kulisse. Im großen Innenhof, an
der langen Bruchsteinmauer präsentierte Regine Hiemisch Malerei in Naturmotivik,
gegenüber hatte Ulrike Schmidt eine Garage umgewandelt zur Galerie für ihre
Werke, Malerei und filigrane Lithografien.

Auf der anderen Hofseite, schon vor der Tür der ehemaligen Waage, begrüßte
ein großformatiges Kindheits-Selbstportrait von Doris Kleffmann-Metz vor
imposanter Naturkulisse den Wanderer. „Davor müssen wir uns jetzt einfach
fotografieren lassen“, schmunzelte ein älteres Ehepaar. Im „Kinokabinett“ zeigte
Kleffmann-Metz in der Tonbildschau „Die vier Jahreszeiten“, was aus Bildern aus
der Küche werden kann. Ebenfalls in der Waage, weiter an den Steinwänden zum Hof
setzten die „Drahtigen Figuren“ von Uschi Rickert-Rieb farbige Akzente und
weckten vielfaches Interesse. Großformatige Fotografien von Hendrik
Bender waren der nächste Anziehungspunkt im Hof: Wickstädter Motive hatte er auf
wochenlangen Streifzügen mit der Kamera eingefangen; auf Leinwände aufgezogen
wirken die ungewöhnlichen Blickwinkel eher wie Malerei. Vor dem zwei Meter
breiten Panoramabild des Hofguts, von der Höhe aus gesehen, muss wirklich jeder
Besucher stehen bleiben. Holzskulpturen stellte Thomas Maria Jansen in seiner
neu gestalteten Werkstatt vor. In diesem „Wickstädter Kunstraum“ sollen bald
auch Kurse stattfinden.
 Am Ende des Rundgangs wurde zur Stärkung
Kulinarisches angeboten. Auf der großen Wiese und im Zelt fand man Platz, um das
Programm zu genießen, unter anderem „Taiko“ (japanische Trommler) und die Band
„Esther and the painkillers“. Auf einer großen Leinwand stellte Hendrik Bender
in einer Foto-Schau die einzelnen Künstler in ihren Ateliers vor.
Nach Einbruch der Dunkelheit wurde ein großes Feuer entzündet, um das
sich die letzten Besucher versammelten. Und um zu dieser späten Stunde mit einer
stimmungsvollen Illumination den Rundweg und alle Objekte in ein märchenhaftes
Gesamtkunstwerk zu verzaubern, hatten die Organisatoren Vorkehrungen getroffen.
So verabschiedete sich mancher Kunstinteressierte mit dem Gruß: „Bis zum
nächsten Mal, wir kommen gern wieder“.
Quellen: Doris Kleffmann-Metz, Hendrik Bender, (bm) +
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