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Schmackhaftes Essen, Musik, Informationen über Wildpflege und Wildarten im Vogelsberg

Alte Sprichwörter enthalten meist einen Großteil von Wahrheit. Am Donnerstagabend, den 8. Oktober 2009, wurde eines davon allerdings gänzlich außer Kraft gesetzt. Bei der Eröffnung der 2. Vogelsberger Wildwochen im Posthotel „Johannesberg“ im Lauterbach, war von „Viele Köche verderben den Brei“ absolut nichts zu schmecken. Bereits die kalte Vorspeise mit Rehschinken, Wildschweinterrine an Cumberlandsauce, Kochschinken vom Wildschwein, Waldorfsalat, Bärlauchfeta und Steinofenbrot war vom Feinsten. 
Es wurde noch besser. Nach einer Wildkraftbrühe mit Grießklößchen und Rahmsuppe von Steinpilzen präsentierten die Köche der Vogelsberger Gastronomiebetriebe „Inselcafe“ in Ilbeshausen, „Zur Birke“ in Burkhards, „Landhotel Gärtner“ in Flensungen, „Hotel Restaurant Jöckel“ in Nieder-Moos, „Landgasthaus Jägerhof“ in Maar und „Posthotel Johannesberg“ in Lauterbach ein Buffet der Spitzenklasse.

Von frisch zubereiteter Wildleber über Rehrücken, Wildschweinkeule, Hirschkalbsteak, Ragout vom Reh, Geschnetzeltem vom Wildschwein bis zur Roulade vom Hirsch waren fast alle heimischen Wildtierarten vertreten. Dazu gab es Beilagen wie Wildkräuterspätzle, Rosmarinkartoffel, Semmelknödel, Schupfnudeln, Apfelrotkohl und eine Auswahl von frischem Gemüse. Krönender Abschluss des Abendessens war ein Dessertteller mit Waldbeerparfait, Zimt-Schmandcreme und Brombeerstrudel.
 Das Angebot der Schlitzer Kornbrennerei, ein Schnäpschen nach dem Essen zur Verdauung zu Trinken wurde dann auch reichlich genutzt. Neben Essen und Trinken gab es auch eine Fülle von Informationen für die Anwesenden. So wies Gastgeber Rainer Dietz bei der Begrüßung der Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft und aus dem Jagdbereich auf die Bedeutung der Vogelsberger Wildwochen hin.
 Insgesamt 22 Gastronomen aus dem Vogelsberg wollen, beginnend mit dem zweiten Oktoberwochenende alljährlich vier Wochen lang, ihren Gästen diesen Gaumenschmaus in vielfältigen Variationen wieder näher bringen. Gemeinsam mit Hessen-Forst, den Jägervereinigungen und lokalen Wildhändlern waren die Wildwochen im Vorjahr ins Leben gerufen geworden. Dietz betonte, dass ausschließlich heimisches Wildfleisch angerichtet werde. Zusammen mit den Lammwochen zu Anfang des Jahres bilden die Wildwochen im Herbst das „Vogelsberger Kulinarium“.
 Die musikalische Begrüßung folgte danach durch das Jagdhornbläsercorps der Jägervereinigung Lauterbach mit Jagdsignalen. Deren musikalischer Leiter Gerhard Blum erläuterte jeweils die einzelnen Signale, vo0n denen es insgesamt drei Arten gibt: Leit-, Kommando- und Todsignale.
 Die weitere musikalische Umrahmung des Abends hatte Dr. Phil. Walter Windisch-Laube von der Musikschule Alsfeld mit Salonmusik übernommen. Am Klavier brachte er Lieder aus der „Fledermaus“ von Johannes Strauß und Titel wie zum Beispiel „Liebling mein Herz lässt dich grüßen“, „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“, „Gib acht auf den Jahrgang“ oder „Piano Man“, „Solitude“, „Dinny Boy“ und „Mit Musik geht alles besser“ zu Gehör.
 „Der Vogelsberg is(s)t wild“ mit diesem werbewirksamen Slogan gehen die Erzeuger und Verwerter in die Offensive, um gemeinsam, insbesondere in der Zeit der Vogelsberger Wildwochen dem wertvollen Produkt „Wildbret aus der Region“ zu dem Stellenwert zu verhelfen, der ihm gebührt. Der Verbraucher soll wissen: “Mehr BIO gibt es nicht!“, betonte der Leiter des Forstamtes Romrod, Hans-Jürgen Rupp in seinem anschließenden Vortrag über „Wildpflege und Wildarten im Vogelsberg“.

Er ging zunächst auf das Jagdrecht ein. Dabei erläuterte er auch die Hege des Wildes sowie die Wildbrethygiene. Interessante Zahlen waren aus dem Vogelsbergkreis zu hören. So habe man rund 137.000 Hektar bejagbare Fläche. Die durchschnittliche Jahresstrecke an Schalenwild bezifferte er mit cirka 200 Stück Rotwild, 5.000 Stück Rehwild und 3 bis 4.000 Stück Schwarzwild. Dies ergebe rund 200.000 Kilogramm Wildbret in der Decke. Zerlegt bedeute dies 100.000 Kilo, dies sei pro Einwohner im Vogelsbergkreis ein Kilogramm.
 Rupp führte aus, dass pro Einwohner in der Bundesrepublik 600 Gramm Wildbret im Durchschnitt verzehrt würden. 40 bis 50 Prozent des Wildfleisches würden eingeführt. Abschließend wies er auf die Vorzüge von heimischem Wildbret hin. So wachse das Wild in seinem natürlichen Lebensraum auf, bewege sich in freier Wildbahn und ernähre sich zu 100 Prozent von „Natur pur“. Sein Fleisch sei fettarm und reich an Eiweiß, Vitaminen und Nährstoffen. Wildbret enthalte Mineralstoffe wie Kalium, Kupfer, Phosphor, Eisen und Zink. Überdies liefere es noch die lebenswichtigen, ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen könne.
 Zum Schluss der Veranstaltung dankte Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller den Köchen für dieses fürstliche Menü und wies auf die Bedeutung der Gastronomie für den Tourismussektor hin. Die Eröffnung der Lammwochen 2010 findet am 18. März 2010 im „Eulenfang“ in Maar statt. Text: Dieter Graulich, Fotos: Brigitta Möllermann |