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Vogelsberg - Ortenberg. Eine kabarettartige Lesung „Grimms grimmige Märchen“ von Hans Schwab und Ronka Nickel aus Ortenberg hatte uns vor einigen Wochen neugierig gemacht auf mehr. Wir fanden heraus, dass Hans Schwab am Samstag, 17. Oktober 2009, eine Laternenführung in Ortenberg anbot. Wir waren dabei. Vor rund vier Jahren entwickelte Hans Schwab zusammen mit dem Scherenschnitt-Künstler Albert Völkl das Projekt, in den historisch aufgemachten Straßenlaternen, die in den Altstadtgassen aufgestellt sind, nach und nach Scherenschnitte zu installieren. Sie erzählen Geschichte, Geschichten und Anekdoten aus Ortenberg. Sponsoren stifteten jeweils die Scherenschnitte. Und der Schauspieler Hans Schwab erzählt bei den Führungen die Geschichten dazu, auf seine unnachahmliche Weise, wobei er zwischendurch kleine kabarettistische Einlagen einstreut. Alle Laternen kann er natürlich nicht erklären in diesen knapp zweieinhalb Stunden, denn inzwischen sind es 93. Trotz des Nieselregens wollten rund 30 Personen an diesem Abend mit Hans Schwab auf Laternenführung gehen. Aber um 18 Uhr, da waren sie noch gar nicht angeschaltet, und ohne die innere Beleuchtung fehlt ihnen was. Hans Schwab erzählte uns, dass in den frühen Scherenschnitten auch immer ein bis zwei farbige Elemente dabei gewesen seien. Doch nun seien sie nur noch schwarz-weiß. Um 18.30 Uhr, als die Elektrobirnen in den Laternen angingen, da wurde erst deutlich. Es wurde dunkler und dunkler, und diese mit Energiesparlampen versehenen Laternen erhellen die mittelalterlichen Gassen ja nicht wirklich – dafür erzählen sie interessante Geschichten. Zum Beispiel von skurrilen böhmischen Nachtwächtern, von denen uns Hans Schwab auch eine urkomische Geschichte vorspielte, von den Kriegen, die die Stadt heimsuchten, vom Siebenjährigen Krieg bis zum Einmarsch der US-Amerikaner Ende März 1945, von der Auswanderung aus Amerika und vielem anderen mehr. Und sogar das leidige Steinbruchthema, das schwarze Gold des Vulkans, wird auf einer aktuellen Laterne dargestellt, in dem Motiv „Steinbruch-Riese“.
 Eine ganz aktuelle Laterne aus dem Jahr 2009 (linkes Foto), die Ronka Nickel gestiftet hat, handelt von dem Gerichtsurteil, das vor kurzem erst im Rechtsstreit einer Ortenbergerin mit dem ortsansässigen Fürstenhaus gesprochen wurde. Dabei ging es schlicht um „Losholz“, um mittelalterliche Rechte und Fronpflichten. Das Gericht fand: Diese Zeit ist vorbei, die Frau hat keinen Anspruch mehr auf ihre jährlich 2,3 Raummeter Holz.
Hans Schwab, mit Zylinder, schwarzem Mantel, weißen Handschuhen und einer alten Kerzenlaterne aus Messing ausgerüstet, leitete uns durch die dunkle, feuchte Altstadt, über das dunkle Basalt-Kopfsteinpflaster bis hinauf auf den Schlossberg zur alten Kirche. Zwischendurch schloss er uns zum Aufwärmen einen Raum im Alten Rathaus auf, bewirtete uns mit einer Flasche Weizenkorn und einer Flasche Apfelsaftschorle, die auf kleine Schnapsgläschen verteilt wurden, dann ging es wieder hinaus in die nasse Dunkelheit. Aber man spürte die Kälte und Nässe nicht, zu spannend und zu unterhaltsam zugleich war diese nächtliche Führung durch das mittelalterliche und neuzeitliche Ortenberg. Und gerne setzte sich der Laternenführer, der mit seiner Frau Ronka Nickel selbst in der Ortenberger Altstadt wohnt, anschließend noch mit uns zusammen in eine Wirtschaft. Wir haben super viel gelernt über Ortenberg, und es waren vergnügliche, kurzweilige Stunden. Text + Fotos: Frank Schäfer |