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21. August 2005 (MSC) - Beim 17. Internationalen VFV/ADAC Schottenring Classic Grand Prix sahen 15.500 Zuschauer spannende Rennen und betagte Technik. Super Stimmung und ein spektakuläres Showprogramm begeisterten die Besucher. Der 1.400 Meter lange Rundkurs durch Schotten sowie die Fahrerlager auf dem Gelände boten am Wochenende Motorrad- und Nostalgiefans einen Saisonhöhepunkt. Über 300 klassische Renn- und Supersportmaschinen sowie spektakuläre Gespanne gingen in einem Dutzend Rennläufen und mehreren Präsentationsrunden auf die Strecke. 
Überwältigendes Lob der Fahrer und der Zuschauer erhielt Wolfgang Wagner, der Vorsitzende des Motorsportclubs "Rund um Schotten". Er und über 600 Helfer hatten für eine perfekte Organisation gesorgt und die Veranstaltung der Superlative erst möglich gemacht. Die Werbung für den historischen Rennsport und damit auch für den gesamten Motorsport kam gut an. Neben den 15.500 Zuschauern waren auch die vielen Ehrengäste begeistert. Die Erinnerungen an den legendären Schottenring wurden wach gehalten.

Die Legende lebt Schotten beim Classic Grand-Prix ist nicht nur das schnellste Zweirad-Museum Deutschlands, es ist eine Symphonie der Sounds. Jedes Jahr lässt man hier die letzten 100 Jahre der Krönungen im Motorradbau und die eigene Rennstreckentradition wieder aufleben. Da blubbern Maschinchen längst verschwundener Marken wie Motobecane und Rudge aus Kaisers Zeiten die Steigung zu Start/Ziel empor. Da entzünden rassige Südländerinnen wie Aermacchi und Bultaco brodelnde Auspufffeuer. Da fauchen die Zweitakter von MZ und Jawa ums Eck. Da quietschen die Reifen – und ausnahmsweise liegt es nicht am falschen Luftdruck…

AUDI Tradition sorgte für Stimmung Ein rund 20-köpfiges Team von AUDI Tradition bot beim Schottenring Classic Grand Prix eine Show der Extraklasse. Unter Leitung von Thomas Stebich zeigten die Ingolstädter die lange Tradition ihrer zwei- und vierrädrigen Marken am Schottenring. Bekanntlich waren führende Auto- und Motorradhersteller wie DKW und NSU seinerzeit im Audi-Vorläufer Auto Union aufgegangen. Abgesehen von einem höchst attraktiven Prototyp aus den 70er-Jahren, als Audi ein eigenes Motorrad gegen Konkurrent BMW vorstellte, brachte man die schönsten und schnellsten Zweiräder ihrer Zeit nach Schotten: "Blauwal", "Singende Säge" und "Rennfox" - sowie Harald Demuth im Rallye-Kraftpaket Audi quattro A2, dem WM-Einsatzfahrzeuges des Jahres 1983. Unvergessen und gut gelaunt sah man auch die Spitzenpiloten der Zeit: Für Heinz Klingenschmidt und August "Gustl" Hobl ist Schotten der Höhepunkt des Jahres. Bei der Autogrammstunde waren die Audi-Stars dicht umlagert. Kommentar von Harald Demuth: "Ich war überrascht - endlich war ich wieder einmal der Jüngste bei einer Autogrammstunde."

WM-reifer Harald Demuth WM-reif war das, was Harald Demuth mit dem Rallye-Audi im Jubiläumsjahr "25 Jahre Audi quattro" bot. Deutschlands erfolgreichster Rallyepilot neben Walter Röhrl ließ die rund 400 Pferde des Audi Sport quattro A2 von der Leine und driftete gekonnt über den 1.400 Meter langen Parcours. Selbst die härtesten Motorradcracks waren begeistert. Mit dem Audi quattro A2 hatte übrigens die schnellste Frau auf Erden, die Französin Michele Mouton, die vermeintliche Männerwelt Motorsport ins Wanken gebracht, als sie Vizeweltmeisterin hinter Röhrl wurde. Demuth hatte seinerzeit den "A2" mitentwickelt. "Überwältigt" war er nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von "meinen tapferen Mitfahrern". Audi verloste für wohltätige Zwecke mehrere Mitfahrten mit Demuth und nicht nur Oliver Klein aus Daaden/Westerwald "genoss den blanken Wahnsinn". Kein Wunder, denn der mittels Hessen-Rallye Schotten-erfahrene Demuth schonte seine Passagiere sichtbar nicht. Weitere Gewinner spektakulärer Renntaxi-Mitfahrten waren Sigrid Raschke aus Schwalbach und Andreas Jaesch aus Isenbüttel.

Highway to hell: Mutige Fans im Motorrad-Seitenwagen Als "Schmiermaxen" betätigten sich zahlreiche Motorradfans. Im Fahrerlager gab es Tickets für einen wilden Ritt im Seitenwagen routinierter Gespannpiloten. Das Showprogramm der Mittagspause wurde durch Mitfahrmöglichkeiten aufgewertet. Motorrad-Overall, Handschuhe und Helme waren natürlich Pflicht. Obwohl eine Zeitnahme nicht erfolgte, ging es recht spektakulär zu. Einige Mitfahrerinnen und Mitfahrer begeisterten mit akrobatischen Einlagen. Vielleicht entwickelt sich aus der Mitfahraktion ein Talentwettbewerb für den Nachwuchs aus drei Rädern?

Publikumsliebling Heinz Rosner Der einstige DDR-Spitzenfahrer Heinz Rosner gehört zu den ganz großen Lieblingen des sachkundigen Publikums beim Schottenring Classic Grand-Prix. Nicht wenige Fans trugen T-Shirts mit Rosners Bild – unter ihnen auch viele "Wessis". Warum Rosner so beliebt sei, beantwortete beispielsweise Siegfried Ploschies aus Haiger: "Der Rosner ist ein richtig feiner Kerl!" Rosner galt um 1960 als junge Hoffnung des DDR-Motorsports und des Herstellers MZ. Ein paar Jahre fiel er in Ungnade, als er als 18-Jähriger die "systemübergreifend" liebliche Seenlandschaft rund um den Grand-Prix-Kurs von Imatra in Finnland für schön befand. Dabei wohnt er heute noch in seinem Heimatdörfchen Hundshübel im Erzgebirge. Rehabilitiert, sorgte er 1968 für einen Superrekord: Er beendete gleich drei Klassen (125, 250, 350 ccm) in den Top 4 der Weltmeisterschaft. Das bekamen Legenden wie Giacomo Agostini, Phil Read, Jarno Saarinen oder Dieter Braun in keiner Saison hin. Den alten Schottenring bekam Heinz Rosner von Wolfgang Wagner und den Machern des MSC "Rund um Schotten" gezeigt. Er, der auf so berüchtigten Straßenkursen wie der Isle of Man und Dundrod aufs Treppchen kam, war beeindruckt: "Eine Bestie von Strecke!" Dem neuen Stadtkurs konnte auch er eine Herausforderung abgewinnen: "Du hast mächtig Dampf und weißt nicht wohin!"

Barry Sheenes "Super-Suzi" 1977 wurde einer der sympathischsten Rennfahrer aller Zeiten, der Engländer Barry Sheene, Weltmeister in der 500 ccm-Klasse. Ähnlich wie Valentino Rossi die schwachbrüstige Yamaha, entwickelte Sheene damals die hoffnungslose Suzuki zur überlegenen Maschine. Auf diesem besonderen Motorrad durfte auch nur ein besonderer Fahrer sitzen: Heinz Rosner. Mit seiner eigenen MZ, von 250 auf 300 Kubik aufgebohrt, hatte Rosner auf dem winkligen Schottenkurs Schwierigkeiten mit dem Getriebe. Er änderte die Übersetzung der Gänge und ließ beim Gasgeben das unvergleichliche Kreischen von Zweizylinder-Zweitaktmotorrädern mit seinen 52 PS wieder zu Gehör kommen. Das übertönte sogar die 68 PS der echten Sechs-Zylinder-Viertakt-Hondas von Mike Hailwood. Nicht minder illuster war das Motorrad eines seiner Kontrahenten und veritablem Sieger am Schottenring: Helmut Dähne gewann Mitte der 70er ein Zuverlässigkeitsrennen auf dem alten Kurs. Dähne ist "Mister BMW", denn "BMW leiht sich eine BMW bei mir, wenn sie eine brauchen", lachte er über seine "R 90S mit R 75/5-Fahrwerk, aber 1000 Kubik". Über Schotten meinte er: "Super! Es ist sieht wie früher aus. Nur die Zugfahrzeuge sind größer."

Höfliche Gegner Weltmeister-Copilot Fritz Cron räumte mit einem Vorurteil auf: Gemeinhin gelten die Beifahrer im Gespannsport, die "Schmiermaxen", als die tollkühnsten Akrobaten im Motorsport. "Ach wo", lachte der 80-jährige äußerst rüstige Herr. "Wir sind bloß zu bequem, wir lassen uns fahren." Überraschend war auch Crons Erklärung für die beiden WM-Titel 1954 und 1956 mit dem 79-jährigen Wilhelm Noll am Lenker: "Unsere Gegner waren höfliche Engländer, die haben uns gewinnen lassen…" Davon profitierte offenbar anschließend auch Walter Schneider mit zwei weiteren Titeln für Deutschland. Schneider (78) und der ebenfalls in Schotten gesichtete Siegfried Schauzu (mit neun Siegen erfolgreichster Seitenwagenfahrer bei der berühmt-berüchtigten TT auf der Isle of Man) sind in ihrer Siegener Heimat auch heute noch Lokalgrößen. Der MSC "Rund um Schotten" ehrte die Weltmeister Noll, Cron und Schneider, die allesamt auf dem alten Schottenring deutsche Meisterschaftsläufe gewannen, mit einer Rundfahrt im Cabrio.

Fahrer und Insider zeigten sich begeistert Albert Bernd mit einem BMW-Gespann von 1964 aus Laubach meinte: "Ohne Lokalpatriotismus: Schotten hat die beste Atmosphäre in ganz Europa! Das Spalier der Zuschauer ist wie bei der Tour de France." Achim Schulte (BMW-Gespann 1955, Herscheid/Sauerland) sagte: "Natürlich kann man es nicht so fliegen lassen wie auf einer permanenten Rennstrecke. Aber wir fahren ja auch Gleichmäßigkeit- und nicht Gleichgültigskeitsrennen." Offroad-Star Willi Bauer ließ hören: "Schotten ist gigantisch!" Bauer wurde 1973 Vize-Weltmeister im Moto Cross. Der sympathische Schwabe ist heute eine feste Fahrerlagergröße mit seinem "Renndienst". Bei Bauer gibt es die "schärfere" Vergaserdüse als Ersatzteil, da wird mal ein Auspuff geschweißt. In Schotten und der Classic-Szene war er diesmal das erste Mal. Aber bestimmt nicht das letzte Mal: "Mit welcher Liebe die hier an die Arbeit gehen", womit er außer den Fahrern auch ausdrücklich die Organisatoren meinte.

Feuerwehr löschte brennendes Wohnmobil und bekämpfte Wassermassen Nicht nur für eventuell in Brand geratene Rennmaschinen oder für Öl musste die Schottener Feuerwehr vor Ort sein, sondern auch für Wasser. "24 Liter Regen auf den Quadratmeter sind am Freitagabend gefallen", bilanzierte der Ehren-Stadtbrandinspektor Willi Doll. So mussten die Wege entlang der zum Wildbach mutierten Nidda mittels Paletten höher gelegt werden. Am Sonntag löschten die Feuerwehrleute ein in Brand geratenes Wohnmobil im Fahrerlager, nachdem sie bereits in der Nacht nicht zur Ruhe gekommen waren. Übermütige Fans hatten gegen vier Uhr früh einen Strohballen "abgefackelt". Weniger spektakulär waren die Einsätze der 60 Kräfte im Sanitätsdienst. Keine verunglückten Rennfahrer, sondern bei dem zwischenzeitlich schwül-warmen Wetter traten vereinzelt Kreislaufprobleme älterer Besucher sowie ein paar Bienen- und Wespenstiche auf.

Prominente Gäste Der 17. Internationale ADC/VFV Schottenring Classic Grand-Prix war natürlich auch ein Pflichttermin für Prominente. Am Sonntag ließ es sich Schirmherr Norbert Kartmann (CDU), der Präsident des Hessischen Landtags, nicht nehmen, das Rennen zu besuchen. Von der Atmosphäre war der Schirmherr – der ohne Schirm kommen konnte – begeistert. Bereits am Hessentag in Weilburg hatte er sich als "Oldtimerfan" geoutet. Im Juni war er mit dem Original Opel Rekord des Fußball-Nationaltrainers Sepp Herberger zur ADAC-Oldtimerfahrt gestartet. Ebenfalls zu den Ehrengästen in Schotten zählten der heimische Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit (SPD), der Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel (CDU) sowie die Schottener Bürgermeister-Kandidaten Susanne Schaab-Madeisky (SPD) und Ernst Bünzel (CDU), die sich beide für den frei werdenden Posten von Hans-Otto Zimmermann (SPD) bewerben, der die Neuauflage des Schottenring Classic Grand-Prix bereits von 16 Jahren als Bürgermeister begleitete.

Geschäftsführer Dr. Michael Engel vertrat den DMSB (Deutscher Motor Sport Bund), sozusagen der DFB des Motorsport. Hochrangig war auch der ADAC Hessen-Thüringen vertreten. Die Vorstandsmitglieder Wolfgang Vogel (Homberg/Efze) und Peter Lindemann (Kassel – Sportleiter des ADAC) kamen am Sonntag in den Vogelsberg, Motorradreferent Franz Pickenhahn (Melsungen) war bereits am Samstag vor Ort.
Die Ergebnisse / Gesamtwertung der einzelnen Klassen holen Sie sich bitte über diesen Link von der Internetseite des Vereins: www.schottenring.de. |