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Mit dem Schild „Vulkan-Dorf" begrüßt der Niddaer Stadtteil Michelnau seit kurzem an den Ortseingängen seine Besucher. Der Ort mit 300 Einwohnern ist stolz auf seinen Steinbruch mit dem einzigartigen roten Lava-Tuffstein, der vor 15 Millionen Jahren aus einem für den Vogelsberg ungewöhnlichen Schlackenvulkan entstand. Das rote, porenreiche Gestein, mit charakteristischer Farbe und Struktur, die überall wieder zu erkennen ist, wurde für Backöfen, Skulpturen und Fassadenplatten verwendet, da es sich im Gegensatz zum Basalt gut bearbeiten lässt.
 Seit Mitte der 1990er Jahre war dieser ehemalige Steinbruch mitsamt seiner Industriekultur der Natur preisgegeben. Da Tuff-Stein zum Sprengen zu weich war, wurde er ab dem 19. Jahrhundert in Blockform unter schwerem körperlichem Einsatz abgebaut.
Das Gelände soll jetzt wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und als Geotop, Biotop und Industriekultur-Denkmal erhalten werden. Im Dezember 2009 erwarb die Stadt Nidda es für 110.000 Euro. Der neu gegründete Verein „Freunde des Steinbruchs Michelnau" will sich darum kümmern und Maschinen und Gebäuden instand setzen sowie das Gelände pflegen. Besucher sollen geführt werden, Veranstaltungen sind gut denkbar - ebenso nach der Recherche zur Geschichte des Abbaus ein Museum. Bei der Gründungsversammlung am 29. Januar 2010 im Bürgerhaus Michelnau war das Interesse groß: 62 Personen traten dem Verein bei. Sie verabschiedeten die Satzung und wählten einen Vorstand mit Lothar Noll aus Michelnau (Foto links) an der Spitze.
Niddas Erster Stadtrat Reimund Becker, der die Versammlung zusammen mit Ortsvorsteherin Anette Feyh leitete, fand, dass die Entscheidung des Niddaer Stadtparlaments richtig gewesen war, den Steinbruch zu erwerben. Zwar wäre das Geld eigentlich nicht da gewesen, aber die Stadt werde ein Vielfaches zurück bekommen. Gut vorbereitet hatte man seither die Gründung in einer Arbeitsgruppe.

Der stillgelegte Steinbruch stellt in mehrfacher Hinsicht ein Schutzgut dar. Zum einen als Lebensraum wie auch als Geotop mit besonderen Pflanzen, zum anderen ist er ein Kulturdenkmal für Industriegeschichte. Zusätzlich ist der Rohstoffvorrat ein Schutzgut, die Steine werden noch heute gebraucht für Reparaturen an Denkmälern, historischen Mauern u. ä.. Zudem sammelt die Stadt mit dem Steinbruch Ökopunkte, sie kann ihn als Ausgleichsfläche für andere Eingriffe in die Natur nutzen - als einen Teil der Refinanzierung. „Das ist ein Kleinod, das sonst keiner hat", betonte die Ortsvorsteherin in ihrer Rede.
 Ziehen gemeinsam an einem Strang: Ortsvorsteherin Anette Feyh, Kerstin Bär und Niddas Erster Stadtrat Reimund Becker (v.l.n.r.)
Kerstin Bär, Mitarbeiterin der Niddaer Stadtverwaltung und engagiert in der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft, Sektion Vogelsberg, hatte ein Konzept für die zukünftige Nutzung des Geländes ausgearbeitet. Das präsentierte sie der Versammlung. Anhand von Karten stellte sie dar, wie sich der Steinbruch mit dem seltenen roten Tuffstein als touristische Attraktion verwenden lässt: Bei der geplanten Weiterführung der Deutschen Vulkanstraße und verknüpft mit verschiedenen Wanderwegen kann er zu einem Erlebnispunkt am Niddaradweg oder auch später auf der „Route der Industriekultur Rhein-Main" werden.

Der ehemalige Niddaer Bauamtsleiter Gernot Diehl schilderte in einem Vortrag die Geschichte des Steinbruchs, über den 1863 erstmals berichtet wurde. Seit dieser Zeit hat er zwölf Mal den Besitzer gewechselt. Früher ist dort mit Äxten und Beilen abgebaut worden, später wurde das relativ weiche Gestein mit einer Art Kettensäge gewonnen – die Spuren dieser Säge sind bis heute sichtbar.
Aus dem Stein wurde unter anderem eine "Quellstube" für die Weltausstellung 1958 in Brüssel gebaut, die heute auf der Mathildenhöhe in Darmstadt steht. Weiterhin sind noch bekannt: die Bärenskulptur in Berlin, der Altar im Kloster Arnsburg und der Frau Rauscher Brunnen Frankfurt-Sachsenhausen, der von dem Frankfurter Bildhauer Georg Krämer 1961 als Touristenattraktion geschaffen wurde. Auf einem Tuffsteinsockel steht eine Frauenfigur aus Bronze und spuckt in Intervallen Wasser auf vorbeikommende Passanten.

Waldemar Döll, ehemaliger Leiter des Finanzamts Nidda, stellte den Anwesenden den Satzungsentwurf zur Vereinsgründung vor. Es soll ein eingetragener, gemeinnütziger Verein werden. Die Mitgliedsbeiträge setzte man auf 12 Euro pro Jahr und Person fest, Kinder sind bis 18 Jahre frei, juristische Personen zahlen 30 Euro. Der Steinbruch wird im Besitz der Stadt Nidda bleiben, die ihn an den Verein verpachtet.

In den Vorstand wurden gewählt: als Vorsitzender Lothar Noll, als zweiter Vorsitzender Helmut Kaiser. Kassenwart wurde Andreas Besserer, Schriftführerin Barbara Besserer. Den Posten des Pressewart nimmt in Zukunft Oliver Hack wahr. Zur Abteilungsleiterin "Geotop- und Biotopschutz" wurde Kerstin Bär bestimmt. Die Abteilung "Neubau und Unterhaltung von Gebäuden, Wegen und Plätzen" übernahm Gernot Diehl. Als Abteilungsleiterin "Tourismus und Veranstaltungen" konnte man Petra Schwing-Döring gewinnen, für die Abteilung "Maschinenpark und Gerätewartung" Herbert Bieber. Beisitzer wurden Reimund Becker, Anette Feyh, Timo Franz, Wilfried Erk und Henning Ulrich. Zum Kassenprüfer wurden Rolf Heuchert-Frischmuth und Hans-Gothard Lorch gewählt.
Gerold Beckmann, Vorsitzender der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft, Sektion Vogelsberg, gratulierte der Stadt Nidda zu ihrer Entscheidung, den international bedeutenden Steinbruch zu erwerben. Er könne ein Eingangsportal in den angestrebten UNESCO-Geopark „Vogelsberg" werden. Beckmann überreichte an Reimund Becker und Anette Feyh eine Urkunde, in der die Stadt Nidda zur „Geotopstadt" ernannt wird.
Quelle Text: Frank Schäfer, Fotos + Ergänzungen: Brigitta Möllermann
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