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Zum Thema "Wo findet man den Vogelsberg?" hat sich Bernd Schröder netterweise auch ein paar Gedanken mit gemacht.

Als "Wetterauer Tintenfass" (Bild) bezeichnet der Volksmund die sich mitten in der Wetterau erhebende Burg Münzenberg. Mit ihren beiden hoch aufragenden Bergfrieden beherrscht die Burg weithin das Land und ist das Wahrzeichen dieser Region. Die Burg Münzenberg, deren Errichtung dem Staufer Konrad III, zugerechnet wird, hatte ursprünglich die Aufgabe, die Wetterau als zentral gelegenes Reichsterritorium von Nordosten zu sichern. Schon von weitem sichtbar thront sie auf dem Höhenrücken oberhalb der Stadt Münzenberg. Was hat die Münzenburg nun mit dem Vogelsberg zu tun? Alle Stadtteile Münzenbergs sind zum Tal des Flusses Wetter orientiert, die im Vogelsberg ihren Ursprung hat, aus nordöstlicher Richtung kommt und in südwestliche Richtung weiter fließt. Die strategisch wichtige Lage der Münzenburg ergibt sich durch ihre Ansiedelung auf dem erwähnten Höhenrücken. Dieser ist nichts anderes, als eine Basaltzunge aus dem vulkanischen Gesteinsmassiv des Vogelsberges, die wie ein Finger von Nordosten in südwestliche Richtung deutet und sich kurz vor der Stadt Bad Nauheim verliert.
Dieser Bergrücken, auch „Münzenberger Rücken“ genannt, liegt geografisch zwischen der Horloffsenke einerseits und der nordwestlichen Wetterau andererseits. Sie ist die Fortsetzung der Basaltverbreitung des vorderen Vogelsberges aus dem Laubacher Hügelland und dem Giessener Landrücken.
Heute verläuft die Autobahn A45 direkt an Münzenberg vorbei und markiert damit die westliche Grenze der Vogelsberger Basaltes. Für Besucher ist die Lage interessant. Hier, mitten in der Wetterau, sieht man hinüber bis zum Taunus im Westen und dem Hohen Vogelsberg im Osten.
In früherer Zeit ermöglichte das Wettertal den Menschen einen Zugang vom vorderen Vogelsberg bis in die Mitte der Wetterau - ein wichtiger Durchgangsraum. Heute noch findet man Zeugen früherer Besiedelung, auch aus der römischen Zeit, direkt am Wegesrand. Eine alte römische Straße wird immer noch genutzt vom Kastell Alteburg in Richtung Süden nach Friedberg.
Von der Fruchtbarkeit der Wetterauer Böden (im Gegensatz zu der kargen Erde des Vogelsberges) zeugen rund um Münzenberg große Gutshöfe, Mühlenanlagen und historische Brücken aus altem Bruchsteinmauerwerk.

Dass früher bereits reger Handel in der Umgebung der Münzenburg getrieben wurde, als die Leute noch nicht die Ware mit Autos zum Markt bringen konnten, erkennt man an drei, in der Gemarkung Münzenberg zu findenden "Korbruhen". Die Korbruhe, heute als Flurdenkmale bezeichnet, ermöglichten den Bauern und den Handelnden ein Absetzen ihres Korbes, wenn sie zum Markt gingen oder von dort kamen. Durch Anlehnen des Köpers an die Korbruhe, während die Last selbst darauf stand, ließ sich dort gut verschnaufen.

Sicherlich war damals auch nicht jeder ehrlich, der dort in der Gegend arbeitete oder Handel trieb. Vielleicht gab es auch noch andere Vergehen, wie Ehebruch oder gar Schlimmeres. Verlässt man Münzenberg in südwestlicher Richtung, erreicht man nach einer Weile einen, mit Hecken umsäumten, Hügel. Innerhalb der Hecke, auf einem freien Platz, findet sich eine historische Gerichtsstätte. Die imposante Größe des, für die Wetterau einzigartigen Galgens dort lässt Mutmaßungen über die Schwere der in früherer Zeit begangenen Verbrechen zu.
Diese Zeilen über einen Besuch Münzenbergs und seiner Umgebung geben sicher kein komplettes Bild vom äußersten westlichen Rand unseres schönen Mittelgebirges. Doch sie sollen neugierig machen, auf einer Autofahrt die A45 einmal zu verlassen, und sich dort, wo das "Wetterauer Tintenfass" steht, die schöne Gegend anzusehen.
Text und Fotos Bernd Schröder Rainröder Strasse 11 63679 Schotten–Eichelsachsen
Telefon: (0 60 44) 38 86 E-Mail: schroeder.bernd@freenet.de |